Mein auf dieser Seite veröffentlichter Blog soll die Berichte in der BNN ergänzen. Es wäre also super, wenn ihr auch die lesen würdet…

Bonga ist eine kleine Stadt in der Kaffa-Region, der Region, aus der der Kaffee stammt. In der Nähe von Bonga gibt es einen Wald, in dem viele der Ur-Pflanzen verschiedener Kaffee-Sorten wachsen. Dieser Wald ist zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden und soll nun geschützt werden. Deshalb versucht der Deutsche Christian dort in Zusammenarbeit mit der Gemeinde eine Öko-Lodge aufzubauen. Ziel ist es, die einheimische Bevölkerung zu unterstützen und somit einen Schutz des Waldes zu gewährleisten. Über Internet haben wir Kontakt mit Christian aufgenommen und wollen ihn besuchen und das Projekt ein bisschen kennenlernen. Da er selbst zur Zeit in Addis ist, um die nötigen Materialien zu beschaffen, treffen wir in Bonga nur den Deutschen Georg, der das Marketing-Konzept für die Lodge erarbeiten will und die Tschechin Barburo, die ein Museum für Touristen entwerfen soll, an. Zur Zeit ist das Gästehaus, das sich schon auf dem Gelände befindet und umgebaut werden soll geschlossen. Wir verstehen uns auf Anhieb super mit den beiden. Die Idee, die hinter der Öko-Lodge steckt, ist theoretisch super: Das Haus soll eine gute Anlaufstelle für Touristen mittleren Alters sein, die ein paar Tage in der Natur verbringen und eventuell auch den besonderen Wald besuchen wollen. Die Umgebung in Bonga ist wirklich herrlich und lädt zum Entspannen ein. Allerdings erscheint uns die Touristenanzahl, die man in Bonga erreichen will, mehr oder weniger utopisch. Auch wenn sich viele Europäer für Umweltschutz interessieren und den Wald besuchen werden, so sind wir doch der Meinung, dass man mit Tieren (Elefanten, Gorillas, …) immer mehr Menschen begeistern wird, als mit einem Wald. Eine andere Schwierigkeit sehen wir in der Zusammenarbeit mit den Einheimischen: Sie können sich unter einer Öko-Lodge nur wenig vorstellen (kein Wunder, ist es doch ein westliches Konzept). Nach dem Bau des Gebäudes müsste unbedingt ein „Westler“ für einige Zeit weiter vor Ort bleiben, um den Einheimisches „beizubringen“, wie eine solche Lodge funktioniert, bzw. wie man eine solche führt, wenn man viele weiße Gäste zufrieden stellen will. Bisher haben Loyal und ich in dieser Gegend Äthiopiens vielmehr das Gefühl, dass alle Touristen schnell die Flucht ergreifen werden, wenn die starke Bettelei und das aggressive Verhalten der Einheimischen nicht zurückgehen wird. Als wir beispielsweise auf dem Gelände des Gästehauses übernachten, werden wir morgens um halb sieben vom Wachmann geweckt, der die Hintertür unseres Wagens öffnet, um hineinzuschauen, obwohl Paule laut bellt und klar ist, dass wir im Wagen noch am Schlafen sind. Von Georg und Barburo erfahren wir, dass es auch immer wieder vorkommt, dass die Wachleute ins Gästehaus hineinmarschieren und sie deshalb immer abschließen, wenn sie ihre Ruhe haben wollen.
Barburo hat knapp drei Monate Zeit, um den Inhalt des Museums zu entwerfen. Sie ist vor zwei Jahren schon einmal in Bonga gewesen und hat Ahnung von der Kultur der Einheimischen. Anstatt sich aber mit der Ausstellung zu beschäftigen, ist sie momentan vor allem damit ausgelastet, die Bauarbeiten des Museumsgebäudes zu „überwachen“, bzw. die Leute anzutreiben weiterzubauen, damit zumindest das Gebäue bis zu ihrem Abflug Anfang August steht. Was in Europa immer sehr schnell geplant wird – man schickt das Geld und die Einheimischen bauen dann mal schnell ein Gebäude, das Geld ist ja da – stellt sich vor Ort meist alles andere als einfach und schnell heraus. Die Menschen hier arbeiten anders als bei uns und es kommt nicht so sehr darauf an, dass alles in einer bestimmten Zeit fertig ist. Viel wichtiger ist die Hochzeit des Cousins, an der man teilnehmen muss, die Taufe der Großcousine oder auch die eigene Hochzeit, die manchmal nur wenige Tage vorher festgelegt wird.
Was die Planung und den Bau der Lodge angeht, wird Christian in den nächsten Wochen viel Fingerspitzengefühl beweisen müssen, wenn es um die Zusammenarbeit mit der Gemeinde geht. Hierarchien sind hier in Afrika viel wichtiger als sie bei uns schon sind. Jeder will gefragt, will miteinbezogen werden. Und westliche Vorstellungen sind häufig ganz anders als das, was Afrikaner sich wünschen und vorstellen. Ich habe sehr viel Respekt vor seiner Aufgabe und hoffe, dass er die Ziele, die er sich selbst steckt, weitestgehend erfüllen kann. Ich bin total gespannt, wie es in Bonga weitergehen wird und finde es toll, mit wie viel Elan die drei an die Aufgabe rangehen. Ich selbst würde wahrscheinlich bald die Geduld verlieren!

Share →

One Response to Bonga

  1. cesare rossetti sagt:

    Hi, it is very and very difficult to work in Africa. I been in Africa for 40 years and I known very well the situation. Good luck to Christian.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.